Nichtdiskriminierung und Chancengleichheit

Pädagogische Implikationen im Umgang mit Menschen mit (ver-) störenden Verhaltensweisen

Unsere Gesellschaft wird offener, toleranter, beweglicher – aber dieser Prozess ist hoch selektiv. Profitiert hiervon ein großer Teil der Bevölkerung im Alltag deutlich, entstehen aber auch neue Grenzen des „Drinnen“ und des „Draußen“. Steigt die Toleranz z.B. für persönliche Lebensentwürfe im familiären Rahmen sinkt sie gleichzeitig z.B. für mangelnde Impulskontrolle. Parallel z.B. zum Diskriminierungsverbot auf Grund von Homosexualität oder Transgender-Phänomene werden gleichzeitig die Rufe nach ultimativer Ausgrenzung von Menschen mit anderen sexuellen Neigungen deutlich lauter. Aber gerade in der Begegnung mit Menschen, die gewaltförmige oder sexuell übergriffige Verhaltensweisen zeigen, die ihre Sehnsucht nach Anerkennung nur befriedet kriegen, in dem sie andere unterdrücken oder die in der Erziehung ihrer Kinder leider nicht immer ihre Impulse kontrollieren können, muss pädagogische Arbeit Sorge dafür tragen, dass „Anti-Diskriminierungs-Bemühungen“ nicht plötzlich die Probleme selbst schaffen, auf die sie Ursprünglich eine Lösung sein sollten – denn manches, was noch vor dreißig Jahren als „sonderbar“ galt, wird heute pathologisiert und damit zu einem Stigma. War man sich früher einig, dass Jungs lernen müssen, „wann Schluss ist“, wird dieses ursprüngliche Erziehungsziel im Paradigma des absoluten Gewaltverzichts in Diagnosen wie „ADHS“ oder „Störung des Sozialverhaltens“ transferiert. So wächst in Deutschland weniger die Zahl der psychisch Kranken, aber dafür dramatisch die Zahl der psychiatrisch Diagnostizierten. Das Spannungsfeld zwischen effektiverer Hilfe und größerer Ausgrenzung scheint dabei zunehmend explosiver.

Für die Pädagogen_innen stellt sich hierbei die Frage, wie eine klare Haltung möglich ist, ohne dabei selbst auszugrenzen und damit bestimmte Phänomene an die Seite und damit aus dem öffentlichen Bewusstsein zu verdrängen. Anhand konkreter Beispiele soll erarbeitet werden, wie im Rahmen von Biographien Dynamiken entstehen können, die zu diskriminierendem Verhalten einerseits, aber auch zu generationenübergreifenden Diskriminierungen des Betroffenen andererseits führen können und wie diesem im Rahmen pädagogischer Arbeit begegnet werden kann.

Zielgruppe

Pädagogische Fachkräfte


Referenten

2017 (sw)Prof. Dr. phil. habil. Menno Baumann zum Referenten